Das Sühnekreuz im Einetal
Ein kleiner Stein am Waldrand. Eine Sage von Liebe und Eifersucht. Und Fragen, die bis heute offenbleiben.
Es ist kein großes Denkmal. Gerade deshalb kann man daran vorbeigehen: ein beschädigtes Steinkreuz am Mühlenweg im Einetal. Wer stehen bleibt, entdeckt einen Ort, um den sich eine düstere Liebesgeschichte rankt.

Zwei Frauen und ein Jägerbursche
Die örtlich überlieferte Sage erzählt von zwei jungen Frauen, die denselben Jäger liebten. Beim Futterholen begegneten sie einander auf den Wiesen. Aus Eifersucht soll ein Streit entstanden sein, bei dem sie mit ihren Sicheln aufeinander losgingen. Am Ende, so die Erzählung, starben beide.
Diese Fassung findet sich im Steinkreuzportal und in einem Wanderbericht aus dem Einetal. Sie erklärt den Stein mit einer tragischen Geschichte, ohne uns die Namen der Beteiligten zu verraten. Wie bei vielen alten Flurdenkmalen bleibt die Sage lebendiger als das Wissen um den ursprünglichen Anlass.
Ein Stein, der Fragen stehen lässt
Das Fachportal beschreibt ein lateinisches Kreuz mit abgeschlagenem Kopf. Es verortet den Stein auf Tilkeröder Flur am Mühlenweg, am Waldrand. Schon Walter Saals Verzeichnis von 1952 führt ein Kreuz unter Abberode, Ortsteil Tilkerode. Der Ort ist damit auch in der älteren Steinkreuzforschung erfasst.
Warum stellte man solche Kreuze auf?
Im mittelalterlichen Verständnis konnten Steinkreuze an einen gewaltsamen Tod erinnern und zur Sühne gehören. Das Regionalmuseum Bad Frankenhausen beschreibt, wie Täter zu Bußleistungen und zum Setzen eines Kreuzes verpflichtet wurden. Vorübergehende sollten für den Toten beten.
Ein solches Denkmal musste nicht unmittelbar am Tatort stehen: Ein viel benutzter Weg konnte wichtiger sein, weil dort Menschen vorbeikamen. Eine konkrete Sühnevereinbarung für das Tilkeröder Kreuz liegt unserer Sammlung bislang nicht vor. Die überlieferte Geschichte lässt sich deshalb als Sage erzählen, während der Stein selbst Fragen nach Alter, Anlass und Beschädigung offenhält.

Ein Weg zwischen Wasser und Wald
Der Mühlenweg verbindet die Landschaft des Einetals mit alten Mühlenorten und den Spuren des Tilkeröder Bergbaus. Auch die Übersicht des Harzverbands trägt das Sühnekreuz ein. Es lohnt sich, die Karte vor einer Wanderung anzusehen und mehrere kleine Entdeckungen miteinander zu verbinden.
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Was wir zur Geschichte noch suchen
Gesucht sind ältere Fotos, Abschriften und Hinweise auf den ursprünglichen Anlass. Für die Jahreszahl 1543, einen Streit zwischen Köhler und Händler sowie einen abgeschlagenen Kopf in der Franzosenzeit ließ sich bei dieser Recherche kein passender örtlicher Nachweis finden. Diese Erzählteile sind deshalb nicht in die Ortsgeschichte übernommen.
Quellen zum Weiterlesen
Recherche: 26. Oktober 2026. Bildnachweise stehen jeweils direkt am Bild.
- Sühnekreuze & Mordsteine: Tilkerode – Standort, beschädigte Kreuzform und Sage von den zwei Mädchen.
- Walter Saal: Verzeichnis der Steinkreuze des Landes Sachsen-Anhalt (1952), Eintrag Abberode, Ortsteil Tilkerode.
- Gerd Horenburg: Osterwanderung im Einetal, 8. April 2021 – Fotos des Kreuzes am Mühlenweg und örtliche Sage.
- Regionalmuseum Bad Frankenhausen: Bedeutung und Überlieferung mittelalterlicher Stein- und Sühnekreuze.
- Harzverband: Übersicht zum Bergbaulehrpfad Tilkerode mit Einetal, Mühlenweg und Sühnekreuz.