Umgebung · Im Leinetal

Die Leinemühle

Wo früher Mahlgut ankam, suchen heute Wanderer und Ausflügler eine Pause. Ein Haus mit Wasserkraft, Gastlichkeit und vielen Postkartengrüßen.

Manche Orte kennt man schon von einer alten Ansichtskarte, bevor man sie zum ersten Mal besucht. Die Leinemühle ist so ein Ort: Fachwerk zwischen Bäumen, dahinter die Hänge des Leinetals. Ihr Name erzählt von Arbeit am Wasser, ihre Postkarten von Erholung.

Historische Postkarte des Gast- und Kurhauses Leinemühle mit Fachwerkbauten
Ein Tal zum Durchatmen, ein Haus zum Einkehren. Die alte Karte zeigt das Gast- und Kurhaus Leinemühle mit seinen benachbarten Fachwerkbauten.Bereitgestellte historische Ansichtskarte · aufgedruckter Besitzer: L. Günther · undatiert.

Vom Mahlgut zur Mahlzeit

Die Geschichte auf der Betreiberseite führt die frühere Mühle in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zurück und verbindet sie mit der Versorgung der Burg Falkenstein. 1865 zerstörte ein Brand den alten Bau. Das heutige Hauptgebäude wurde 1870 fertiggestellt und diente nach dieser Darstellung von Anfang an als Gasthaus.

Ein überraschendes Detail: 1927 wurde hier auch Chausseegeld kassiert. Die Einkehr lag an einem Verkehrsweg, dessen Benutzung bezahlt werden musste. Das passt zur städtischen Darstellung Pansfeldes, die Leinemühle und Gartenhaus als frühere Stationen der Gebührenerhebung nennt.

Das Wasser konnte mehr als mahlen

Am Mühlenstandort gehört auch Technik zur Geschichte. Das Projekt „Sehen lernen“ beschreibt einen Arbeitskanal, der Wasser aus der Leine zur Anlage führte. Hier wurden Getreideschrot und Mehl hergestellt; der Mahlbetrieb wird bis 1967 angegeben. 1905 kam eine Turbine für einen Generator hinzu. So wurde Wasserkraft auch zu elektrischem Strom.

Gasthaus und Mühlenanlage haben also unterschiedliche Geschichten. Die genaue Zuordnung der späteren Technik zu den einzelnen Gebäuden bleibt eine lohnende Frage für alte Pläne oder Erinnerungen. Der Name Leinemühle fasst heute den ganzen Ort zusammen.

Ein Kurhaus auf Reisen

Auf unserer Karte steht „Gast- und Kurhaus Leinemühle im Südharz“, dazu der Besitzername L. Günther. Sie zeigt nicht bloß eine Fassade: Garten, Zaun, Nebengebäude und Talhang gehören dazu. Mit solch einer Karte ließ sich ein kleiner Urlaubsmoment nach Hause schicken.

Das Mühlenverzeichnis ordnet die Umwandlung zum Restaurant und Kurhaus bereits dem frühen 20. Jahrhundert zu. Die technische Überlieferung reicht dagegen bis in die DDR-Zeit. Für die einzelnen Jahre des Gastbetriebs wären alte Speisekarten, Gästebücher und Familienfotos besonders spannend.

Die Leinemühle zwischen Bäumen an der Straße, Aufnahme 2012
Hinter dem Grün taucht das vertraute Fachwerk auf: die Leinemühle am 26. August 2012. Ein Ort, an dem man auf dem Weg durch den Harz gerne eine Pause einlegt.Foto: Dguendel / Wikimedia Commons · CC BY 3.0 · unverändert.

Heute hinaus ins Leinetal

Die Betreiber führen die Leinemühle als Hotel und Restaurant und bieten auch ein Ferienhaus an. Aktuelle Angebote und Reservierungen stehen auf ihrer eigenen Seite. Die Sanierung 1993/94 nennt die Hausgeschichte als wichtigen Neubeginn.

Die Nähe zu Abberode macht sie zu einem passenden Ziel unserer Umgebungsrubrik. Administrativ führt die Stadt Mansfeld die Adresse Leinemühle 1 unter Molmerswende. Im Mühlenverzeichnis begegnet dagegen die Ortsangabe Abberode.

Zur Leinemühle: Einkehr und Übernachtung ↗

Eine stille Erinnerung im Wald

Im weiteren Leinetal liegt ein einzelnes Kriegsgrab. Das Landesportal verzeichnet einen namentlich bekannten Deutschen, der am 14. April 1945 durch vorrückende US-Soldaten getötet wurde. Eine Holzskulptur trägt die Worte „Vergessen wir nicht“. Als Zugang nennt das Portal einen rund 1,5 Kilometer langen Fußweg von der Leinemühle flussaufwärts. Es ist ein Ort des Gedenkens.

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