Das Dorf am Kirchplatz

Abberode

Seit über tausend Jahren erzählt das Dorf von Herrschaften, Kirche, Bauernhöfen und den Menschen am Rand des Harzes.

Über dem grünen Feld steht der Turm: Abberode im Frühling, aufgenommen am 2. April 2017.
Über dem grünen Feld steht der Turm: Abberode im Frühling, aufgenommen am 2. April 2017. Foto: Dguendel / Wikimedia Commons · CC BY 4.0 · verkleinerte Fassung.

Ein Turm über roten Dächern, Felder bis an den Dorfrand und gleich nebenan eine ehemalige Landesgrenze: Abberode liegt auf der Hochfläche des Unterharzes. Das Dorf ist seit über tausend Jahren Teil der Geschichte dieser Landschaft. Seine spannendsten Spuren findet man jedoch oft ganz nah – am Kirchplatz, in alten Fotoalben und in den Erinnerungen seiner Menschen.

Jahrhundertelang gehörte Abberode zum Herrschaftsbereich von Rammelburg. Die Chronik kennt Bewohner, Höfe und Pfarrer seit dem 16. Jahrhundert. Aus solchen Einträgen wächst nach und nach ein Dorf mit Gesichtern.

Ein Kirchturm – und das Dorf drumherum

Aus der Ferne ist er der vertraute Fingerzeig über den Dächern. Erst aus der Nähe fällt auf: Zum Abberöder Kirchturm fehlt das Kirchenschiff. Der Bau von 1769 wurde später baufällig und in den 1980er Jahren abgetragen; der Turm blieb stehen und wurde 1998 restauriert. Aus einem Rest wurde ein Wahrzeichen.

Wie viel Leben einmal um diesen Ort war, zeigen die alten Karten vom Kirchplatz: Menschen, Häuser, Teich und Wege drängen sich auf kleinem Raum. Das Fotoalbum der Glockenweihe von 1931 setzt die Bilder in Bewegung. Und die Aufnahmen von 2017 nehmen uns sogar mit die Treppen hinauf – bis zu den Glocken und zum Blick über die Dächer.

Im Glockenturm hinaufsteigen ↗

Der Nachbar war einmal Ausland

Heute sind es wenige Schritte von Abberode nach Tilkerode. Früher wechselte man dabei den Herrschaftsbereich: hier Mansfeld, dort Anhalt. Für die Menschen war das keine bloße Linie auf der Landkarte. Es ging um Felder, Abgaben, Weiderechte und darum, wer wo ein Haus bauen durfte.

Nach dem Brand von 1661 begann das benachbarte Tilkerode wieder zu wachsen. Menschen aus Abberode fanden jenseits der Grenze einen neuen Anfang. So eng konnten Unglück und Aufbruch beieinanderliegen – und so nah die beiden Dörfer trotz ihrer verschiedenen Landesherren sein.

Hinüber nach Tilkerode ↗

Nicht nur Häuser haben ein Gedächtnis

Die großen Ereignisse stehen in Chroniken. Wie sich das Leben anfühlte, erzählen Menschen wie Dora: von der Ankunft nach der Flucht, von neuen Nachbarn und einem Alltag, der langsam wieder Gestalt annahm. Ihre Erinnerungen geben den Häusern Stimmen. Ein Blick auf ein altes Foto wird dadurch zu einer Begegnung.

Und das Dorf lebt weiter. Das Gemeindehaus auf der Aufnahme von 2011 zeigt einen anderen Treffpunkt als den alten Kirchplatz: ein Haus mit Schaukasten statt Kirchturm. Was angeschlagen, besprochen und gemeinsam vorbereitet wird, gehört genauso zur Ortsgeschichte wie die großen Jahreszahlen.

Ein Haus fürs Dorf: das Gemeindehaus mit seinem Schaukasten, im April 2011.
Ein Haus fürs Dorf: das Gemeindehaus mit seinem Schaukasten, im April 2011. Foto: Pomfuttge / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0 · verkleinerte Fassung.

Doras Geschichte lesen ↗ · Wenn das Dorf feiert ↗

Ein Dorf auf dem Globus

Mitten im Land – und näher am Nordpol

Wer von Abberode nach Westen und Süden schaut, blickt auch in Richtung der verschiedenen „Mitten“ Deutschlands. Die Rechnung hängt davon ab, wie man die Mitte bestimmt. Die bekannte Mittelpunkt-Linde bei Niederdorla ist von hier rund 77 Kilometer Luftlinie entfernt. Die Gemeinde Vogtei beschreibt dafür die Mittelwerte der äußersten Grenzkoordinaten.

77 kmnach Niederdorla
zum Mittelpunkt nach der Extrempunkt-Methode
4.280 kmzum Nordpol
entlang der Erdoberfläche
15.720 kmzum Südpol
entlang der Erdoberfläche

Unter den Füßen beginnt eine andere Zeitreise. Abberode liegt auf der Hochfläche des Unterharzes. Im Tilkeröder Revier schneiden Erzgänge sehr alte Schiefer und vulkanische Gesteine. Die gefalteten Gesteine erzählen von einer Gebirgsbildung lange vor den ersten Dörfern – und enthalten jene Mineralwelt, die Tilkerode berühmt machte.

Die neue Spurensuche im Bergbaurevier lesen ↗

Woher stammen die Zahlen?

Eigene Berechnung von der gerundeten Ortskoordinate 51,6142° N / 11,2897° E. Für Niederdorla wurden die von der Gemeinde genannten Koordinaten 51° 10′ N / 10° 27′ E verwendet. WGS84-Erdellipsoid, kürzeste Oberflächenentfernung; zu den Polen entlang des Meridians. Angaben gerundet, keine Fahrstrecken.

Quellen: Gemeinde Vogtei zum Mittelpunkt · Ortskoordinate Abberode · WGS84 und geodätische Entfernungen · Landesamt für Umweltschutz zur Geologie des Harzes

Weitere Bilder und Dokumente

Kirchplatz in Abberode auf einer historischen Ansichtskarte, Aufnahme undatiert · Privatsammlung
Kirchplatz in Abberode auf einer historischen Ansichtskarte, Aufnahme undatiert · Privatsammlung
Das Abberöder Pfarrhaus auf einer älteren Fotografie · Privatsammlung
Das Abberöder Pfarrhaus auf einer älteren Fotografie · Privatsammlung
Mehrbildkarte „Abberode über Wippra“ mit Kirche, Geschäftshaus, Denkmal und Teich · Privatsammlung
Mehrbildkarte „Abberode über Wippra“ mit Kirche, Geschäftshaus, Denkmal und Teich · Privatsammlung
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