
Am 19. Januar 1945 erreichte Dora mit ihrer Mutter, der Großmutter und ihren Geschwistern den Bahnhof Wippra. Sie kamen aus Königshütte in Oberschlesien. Das Kind staunte über die verschneiten Wälder; die Erwachsenen hatten ihre Heimat verloren.
In Abberode wurden die Neuankömmlinge zunächst auf Stroh in einem Gasthaussaal untergebracht. Später erhielt Doras Familie ein Zimmer auf dem Franke-Hof in der Neuen Straße 19. Die zwangsweise Einquartierung stieß bei den Dorfbewohnern nicht überall auf Zustimmung. Wohnraum und Lebensmittel waren knapp.
Eine Nähmaschine verändert das Zusammenleben
Doras Mutter konnte nähen, die Großmutter stricken. Bald kamen die Bauern mit Änderungswünschen und Reparaturarbeiten. Bezahlt wurde oft mit Lebensmitteln. Als der Vater aus dem Krieg zurückkehrte, konnte auch er mit handwerklichen Fertigkeiten helfen. Langsam wurden aus fremden Menschen vertraute Nachbarn.
„Ich möchte die Zeit nicht missen.“
Für Dora waren die Wege zur Schule, die Wiesen und die Eine eine Welt voller Abenteuer. Sie erinnert sich an Mandolinenunterricht, Volkstanz, alte Höfe und die strengen Ablieferungspflichten, mit denen sie später im Gemeindebüro zu tun hatte.
Als die Abberöder weinten
1955 zog die Familie nach Halle. Dora wollte ihre Freunde und das Dorf eigentlich nicht verlassen. Nach ihrer Erinnerung war der Abschied auch für viele Einheimische bewegend. Die Geschichte handelt deshalb nicht nur von Vertreibung, sondern von einem Zusammenwachsen, das Zeit brauchte.
Weitere Bilder und Dokumente


- Zeitzeugeninterview mit Dora, vier aufgezeichnete Gespräche, Transkripte 260131_007 bis 010; Ankunftsdatum von der Redaktion anhand des Films bestätigt.
- Franke-Hof und Herkunftsort: Angaben aus der privaten ortsgeschichtlichen Sammlung.