Eskeborner Revier · Norden
Neuer und Alter Eskeborner Stollen, Goldschacht, alte Gruben und Wasserschacht machen die Arbeit am Berg sichtbar.
Rund fünf Kilometer zwischen Wald, Halden und alten Gruben. Eine Landschaft erzählt von Eisenerz, Gold und der Arbeit unter Tage.
Ein Buckel im Feld, ein Trichter im Waldboden, ein unscheinbarer Einschnitt am Hang: Im Tilkeröder Revier lernt man, die Landschaft neu zu lesen. Was heute grün und still ist, war einmal Arbeitsplatz unter und über Tage.

Altes Pergament, dunkle Wälder und der Glanz eines Golddukaten: Unser Poster lädt zu einer Entdeckungsreise durch das Tilkeröder Revier ein. Auch Abberode und die Dicke Eiche haben ihren Platz auf der Karte.
Die elf Entdeckerpunkte verbinden den Start in Tilkerode mit den zehn Bergbaustationen. Die freie Bildkarte lässt sich zu Hause anschauen, verschenken oder im A3-Format ausdrucken.
A3-Hochformat · 297 × 420 mm
Für die Tour draußen findest du die Geoparkkarte gleich darunter.
Der Natur- und Bergbaulehrpfad umfasst rund fünf Kilometer. Die offizielle Übersicht zeigt die Zugänge, beide Teilreviere und die Stationen.
Geoparkkarte und Tafeln öffnen (PDF) ↗
Im Natur- und UNESCO-Geopark ist der Lehrpfad als Geopunkt 8 der Landmarke 15 „Schloss Ballenstedt“ eingeordnet.
Im Norden liegt das Eskeborner Revier, südlich davon das Einestollen-Revier. Je fünf bergbauliche Stationen sind mit Dennert-Tannen markiert – den auffälligen Tafeln in Baumform. Sie tragen den Namen des Oberbergrats Herbert Dennert.
Neuer und Alter Eskeborner Stollen, Goldschacht, alte Gruben und Wasserschacht machen die Arbeit am Berg sichtbar.
Martin-Kochsborn-Stollen, Zechenkopf, Kunstschacht, Blauer Schacht und Einestollen gehören zur südlichen Spurensuche.
Tilkerodes Geschichte beginnt beim Eisenerz. Doch berühmt wurde das Revier durch eine winzige Ausbeute: rund 400 Gramm Gold, aus denen 116 Dukaten entstanden. Solche Zahlen lassen ahnen, wie viel Arbeit hinter dem Glanz einer einzelnen Münze steckte. Die ausführliche Geschichte mit Münzbildern und Archivhinweisen erzählen wir unter „Das Gold von Tilkerode“.
Am Weg bleiben vor allem die Spuren der alltäglichen Arbeit: Halden aus weggeräumtem Gestein und Pingen über alten Grubenbauen. An der Dicken Eiche lohnt eine Pause. Zwischen Naturdenkmal und Bergbauresten treffen zwei sehr unterschiedliche Zeitmaße aufeinander.

Auch im 20. Jahrhundert wurde hier noch gesucht. Die fotografierte Tafel am Neuen Eskeborner Stollen nennt seine Auffahrung 1935–1938 und letzte Untersuchungen auf Eisen und Selen 1951–1956. Die Geoparkübersicht nennt 1956 als Schlussjahr der erfolglosen Sucharbeiten.
Heute führt der Weg zu den sichtbaren Spuren an der Oberfläche. Die alten Gruben sind keine Besucherbergwerke. Auf den Wegen bleiben und Gesteine liegen lassen – so bleibt das Revier für die nächsten Entdecker erhalten.
Auch die Jahreszeiten gehören zu dieser Landschaft. Der Heimat- und Bergbauautor Bernd Sternal beschreibt einen Wechsel zwischen den beiden Revieren: im Winter wurde im südlichen Einestollen-Revier gearbeitet, im Sommer im nördlichen Eskeborner Revier. So verbindet die beiden Wegabschnitte noch eine zweite Spur – der Kalender der Bergleute.
Die Darstellung von 2011 beschreibt den Wechsel, belegt aber weder einen weltweit einmaligen Betrieb noch eine konkrete Erklärung durch Mikroklima oder Wasserstände. Zur Darstellung von Bernd Sternal ↗
Im Erz steckt auch eine Geschichte über Forscher, Briefe und den richtigen Zeitpunkt. Nach der Mineraltafel des Geoparks fand Zincken 1821 bei Tilkerode ein bleiglanzähnliches Mineral. Proben gingen nach Berlin und Clausthal. Doch bevor Zincken seine Beobachtungen 1825 veröffentlichte, war 1824 bereits eine Mitteilung aus Clausthal erschienen. Das Material wurde mit einem dortigen Fund gleichgesetzt. Der spätere Name lautete Clausthalit – Tilkerode kam im Namen nicht zum Zug.
Zincken reagierte enttäuscht und verwies darauf, dass Fachkollegen seine Ergebnisse schon länger kannten. Eine kleine wissenschaftliche Vorranggeschichte mitten im Unterharz. Die Geoparktafel erzählt den Fall ausführlicher ↗
Selen als chemisches Element war damals bereits bekannt: Berzelius entdeckte es 1817 in Schweden. Das Besondere hier sind die natürlichen Selenidminerale und ihre wissenschaftliche Erforschung. Elementgeschichte bei der Royal Society of Chemistry ↗
Die Gruben sind längst stillgelegt, die Forschung ist es nicht. Eine Studie von 2023 untersuchte historisches Probenmaterial aus der Sammlung des Landesamts für Geologie und Bergwesen. Dabei rückten auch Germanium und Edelmetalle in den Blick. Das Revier ist außerdem Typlokalität mehrerer Minerale – darunter Eskebornit und der nach dem Ort benannte Tilkerodeit. Zur Untersuchung von 2023 ↗

Im Juni 2026 erschien eine weitere Untersuchung: Schwefelisotope in Tilkeröder Erzproben liefern Hinweise auf lange zurückliegende mikrobielle Vorgänge tief unter der Erdoberfläche. Das Forschungsteam deutet sie als Spuren eines Lebensraums in etwa 800 bis 1.800 Metern Tiefe. Gemeint sind geochemisch erschlossene Vorgänge in der Erdgeschichte, keine heute im Lehrpfad gefundene Bakterienkolonie. Zur Studie von 2026 ↗
Für Kinder kann daraus ein Suchspiel werden: Wer entdeckt zuerst eine Tafel, eine Halde oder eine ungewöhnliche Mulde? Für die ganze Runde mit Lesen und Pausen darf es ruhig länger dauern als eine gewöhnliche Fünf-Kilometer-Wanderung. Festes Schuhwerk gehört dazu.
Weitere Wanderideen ↗ · Zum Sühnekreuz im Einetal ↗
Recherche ergänzt: 27. Oktober 2026. Bildnachweise stehen jeweils direkt am Bild.