Abberode · Tilkerode · Steinbrücken

Vom Feld leben.

Von Pflugdiensten und Heuwiesen, von Genossenschaften und neuen Anfängen. Die Landwirtschaft gehört zu unseren Dörfern wie der Wald zu ihren Rändern.

Landwirtschaft damals und heute

Ein Feld ist selten nur ein Feld. Es kann die Familie ernährt haben, mit Abgaben belastet gewesen sein, zur gemeinsamen Bewirtschaftung gehört haben – und heute wieder ganz anders genutzt werden. Wer die Landwirtschaft unserer drei Dörfer verstehen möchte, findet ihre Geschichte deshalb nicht allein auf dem Acker. Sie steckt auch in Hofregistern, Grenzstreitigkeiten und alten Maschinen.

Blick auf Abberode mit Strohballen auf dem abgeernteten Feld und Weidetieren am Hang
Die Ernte liegt in Ballen, am Hang grast das Vieh, darüber steht der Kirchturm: Abberode und seine Landwirtschaft passen auf ein einziges Bild. Aufnahme vom August 2004.Foto: Dguendel / Wikimedia Commons · CC BY 3.0 · unverändert.

Als ein Huhn noch eine Abgabe war

In den von Erich Graf wiedergegebenen Auszügen aus der Rammelburger Chronik erscheinen unter den Zinsgütern von Steinbrücken und Abberode Steffen Pilgenrodt und Niclaus Vallein. Zu ihren Verpflichtungen gehörte jeweils ein Huhn; bei Vallein wird zusätzlich Handarbeit für die Herrschaft genannt. Schotte beschreibt außerdem einen Streit von 1560: Steinbrückener und Hermeröder erinnerten sich daran, seit Jahrzehnten Geld statt eines Garbenzehnten abzugeben. Hinter den trockenen Einträgen steckt eine handfeste Frage: Wie viel von der eigenen Arbeit blieb einer Familie selbst? [1]

Das Steinbrückener Erbbuch von 1533 zeigt unterschiedliche Stellungen im Dorf. Nach Kühnes Auswertung von Schotte gehörten Stefan und Heinrich Bilgenrod, Adam Koch und Heinz Keudel zu den Anspännern; Hans Große der Ältere und der Jüngere zu den insgesamt 15 Handfrönern. Die Begriffe verweisen auf unterschiedliche Dienstpflichten: mit Gespann oder mit der eigenen Hände Arbeit. Ein Dorf bestand also keineswegs aus lauter gleich großen Höfen. [2]

Zwei Zugpferde vor einem historischen Stelzpflug auf einem Acker
Zwei Pferde, ein Pflug und noch ein langer Acker vor sich. Dieses Gespann macht anschaulich, wie viel Zugkraft hinter einer Furche steckte. Vergleichsaufnahme aus der Deutschen Fotothek, nach 1950; der Aufnahmeort ist nicht als Abberode ausgewiesen.Foto: Deutsche Fotothek / Richard Peter sen. · CC BY-SA 3.0 DE · unverändert.

Ein kleines Wörterbuch vom alten Land

Anspann: Zugtiere und Wagen beziehungsweise Gerät für einen Dienst stellen. Handfron: persönlich Arbeitsdienste leisten. Hutung: Weide beziehungsweise Weiderecht. Bonitierung: die Güte von Böden bewerten. Solche Wörter machen aus einem schwer lesbaren Register plötzlich eine Geschichte von Arbeit und Lebensunterhalt.

Eine Wiese, zwei Länder und viele Ansprüche

Die Nähe von mansfeldischem Abberode und Steinbrücken zum anhaltischen Tilkerode machte die Feldflur zu einer grenzüberschreitenden Angelegenheit. Im Landesarchiv liegt dazu eine ganze Gruppe von Separationsakten aus 1841 bis 1879. Verzeichnet sind unter anderem Wiesenaufteilungen, Bodenbewertungen und die Ablösung alter Dienste. Separation bedeutete hier die Neuordnung von Flächen und Nutzungsrechten. [3]

Besonders greifbar wird das in einer Akte von 1861 zur Ablösung von Anspann- und Pflugdiensten. Es ging also nicht nur darum, wem ein Acker gehörte, sondern auch darum, wer für wen pflügen musste. Eine weitere Akte von 1867 behandelt die Zusammenarbeit Preußens und Anhalts bei der Separation Steinbrückens. Aus einem einzelnen Feld wurde Verwaltung auf beiden Seiten der Grenze. [3]

Schon zuvor hatten Nachbarn genau hingesehen, wenn Tilkerode wuchs: Für 1783–1803 verzeichnet das Archiv eine Beschwerde von Johann Friedrich Adam Franke und weiteren Abberödern sowie Johann Friedrich Brachmann und weiteren Steinbrückenern über den neuen Anbau in Tilkerode. „Anbau“ meint in diesem Zusammenhang die Erweiterung der Siedlung, nicht eine bestimmte Feldfrucht. [4]

Die LPG verändert den Alltag

Nach 1945 griff die Politik tief in die Landwirtschaft ein. Die Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone verteilte enteignetes Land neu. Ab 1952 förderte die DDR die Bildung Landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften; bis 1960 setzte die SED die weitgehende Kollektivierung mit massivem Druck durch. Das ist der überregionale Rahmen, in dem sich auch die Landwirtschaft unserer Gegend veränderte. [5] [6]

Die LPG-Typen unterschieden sich zunächst darin, was gemeinsam bewirtschaftet oder eingebracht wurde. Später entstanden spezialisierte Betriebe für Pflanzen- und Tierproduktion. Das eingebrachte Land blieb formal Eigentum der Bauern. Hinter diesen Strukturen standen Menschen, die Tiere versorgten, Technik instand hielten und die Ernte einbrachten. Ihre Arbeit und ihre Erfahrungen verdienen ebenso einen Platz in der Dorfgeschichte wie die politischen Brüche. [6]

Die örtliche LPG-Geschichte bekommt noch Gesichter

Die früheren Stützpunkte sind belegt. Für eine genaue Folge von Gründungen, Namen und Zusammenschlüssen fehlen uns noch sichere örtliche Unterlagen. Ein Mitgliedsbuch, eine Brigadeaufnahme oder ein Arbeitsbuch könnte hier das nächste Kapitel öffnen.

Eine Pferdewiese wird zum Naturkleinod

Eine besonders schöne örtliche Geschichte erzählt die Orchideenwiese bei Abberode. Nach der Dokumentation des Regionalverbands Harz diente sie zunächst den Arbeitspferden der Forstwirtschaft. Mit der zunehmenden Motorisierung ging sie in den 1960er Jahren an die LPG. Versuche, die Fläche durch Melioration besser nutzbar zu machen, hatten jedoch nicht den erhofften Erfolg; die landwirtschaftliche Nutzung blieb aus. [7]

Dann übernahm die Jagdgesellschaft Abberode ihre Pflege. Seit 1991 betreut die Jägerschaft Hettstedt die Wiese mit Partnern. Damit blieb ein Lebensraum erhalten, der 2019 im Naturpark-Wettbewerb vorgestellt wurde. Hier zeigt sich, wie eng Arbeit im Wald, Landwirtschaft und die Sorge der Jäger um die Natur miteinander verbunden sein können. [7]

Rinder auf einer von Wald umgebenen Wiese bei Abberode
Ein grünes Zimmer zwischen Bäumen: Rinder auf einer Waldwiese bei Abberode im Juli 2008. Zwischen Waldrand und Weidezaun zeigt sich die stille Seite der Landwirtschaft.Foto: Dguendel / Wikimedia Commons · CC BY 3.0 · unverändert.

Nach 1990: neu anfangen, weiterarbeiten

Mit der deutschen Einheit mussten sich die LPGs wirtschaftlich und organisatorisch neu aufstellen. Genossenschaften, Gesellschaften und neu oder wieder eingerichtete Einzelbetriebe gehörten zu den unterschiedlichen Wegen. Für viele Beschäftigte in Ostdeutschland bedeutete der Umbruch zugleich den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Welche dieser Wege die einzelnen Höfe unserer Dörfer nahmen, lässt sich nur mit ihrer jeweiligen Betriebsgeschichte erzählen. [6] [11]

Ein amtlicher Schnappschuss aus der Zeit danach ist bereits gefunden: Das Futtermittelregister mit Stand 9. Februar 2012 nennt Gerhard Schmidt unter Abberode, Michael Franke unter Tilkerode und Sven Rockmann unter Abberode. Außerdem erscheint eine Getreidelagerhalle in Steinbrücken. Das sind konkrete Namen und Orte für die weitere Hofgeschichte – ein Registerstand von damals, keine vollständige Betriebsliste von heute. [8]

Landwirtschaft ist weiterhin da

Die städtische Planung von April 2024 beschreibt zwei frühere LPG-Standorte weiterhin mit landwirtschaftlicher Nutzung und Tierhaltung: [9]

Standorte nach dem Flächennutzungsplan 2024
StandortFläche des StandortsBeschriebene Nutzung
Abberode, Lange Straße1,6 haFrüherer LPG-Stützpunkt; Tierhaltung
Steinbrücken, Steinstraße am östlichen Ortsausgang1,2 haFrüherer LPG-Stützpunkt; Tierhaltung

Diese Größen bezeichnen die aufgeführten Standorte, nicht die gesamte bewirtschaftete Feldfläche. Die Planung ist ein wichtiger jüngerer Beleg dafür, dass die landwirtschaftliche Nutzung an alten Betriebsorten weitergeht. Für aktuelle Betreiberporträts, Tierbestände und die Anbaufolge auf den Feldern möchten wir die Betriebe selbst zu Wort kommen lassen. [9]

Die Bilder zeigen bereits viel: abgeerntete Flächen, Strohballen und Weidetiere gehören zum Ortsbild. Wer darüber hinaus wissen möchte, wie Landwirtschaft im Nebenerwerb funktioniert, findet in landwirtschaftlichen Foren lebhafte Diskussionen über Maschinen, Zeitbedarf und Zusammenarbeit. Eine Landtreff-Diskussion mit Bezug zum Harzrand bei Osterode verdeutlicht diese Fragen; die Verhältnisse in unseren drei Dörfern beschreibt sie jedoch nicht. [10]

Schatzsuche im Archiv: Hier führen die Spuren weiter

Die folgenden Stücke sind im Landesarchiv katalogisiert. Eine Einsicht kann Hofnamen, Flächen und alte Rechte genauer erschließen.

  • Z 130, V Nr. 588: Ablösung der Anspann- und Pflugdienste, 1861.
  • Z 130, V Nr. 603: Vermessung und Bodenbewertung, 1863.
  • Z 130, V Nr. 569: Verfahren zu Brachepflichten und Frühjahrsweide auf Wiesen, 1851–1858.
  • Z 130, V Nr. 519: Preußisch-anhaltische Zusammenarbeit bei der Separation Steinbrückens, 1867.
  • E 46, VIII Nr. 6: Beschwerde aus Abberode und Steinbrücken zur Erweiterung Tilkerodes, 1783–1803.

Die Katalogeinträge weisen die Themen nach; eine Auswertung der einzelnen Aktenblätter steht noch aus. [3] [4]

Wer kennt die Menschen hinter der Ernte?

Wir suchen Hofgeschichten, alte Dreschbilder, Aufnahmen von Gespannen, Traktoren und Ställen. Wie hieß die LPG? Wer fuhr den ersten Schlepper? Welche Familien hielten Kühe, Schweine oder Ziegen? Auch ein altes Gerät mit seiner Geschichte kann hier einen eigenen Platz bekommen.

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Quellen und Bildnachweise

Recherche: 26. Oktober 2026. Örtliche Funde stehen neben ausdrücklich eingeordnetem Hintergrund zur Agrargeschichte. Die Bildnachweise stehen jeweils direkt am Foto.

  1. Hermann Schotte: Rammelburger Chronik (1906), S. 145 und 382; Auszüge in Erich Grafs Chronik von Burgörner. Hier über die veröffentlichte Transkription ausgewertet.
  2. Hartmut Kühne: Der Harz und sein Umland – eine spätmittelalterliche Wallfahrtslandschaft? (2002), S. 93, Anm. 48; Auswertung des Steinbrückener Erbbuchs von 1533 nach Schotte, S. 183–184.
  3. Landesarchiv Sachsen-Anhalt: Z 130, Separationsakten, Gruppe V / Tilkerode–Abberode–Steinbrücken–Volkmannrode, 1841–1879. Ausgewertet wurden die Katalogbeschreibungen; die Akten selbst sind hier noch nicht transkribiert.
  4. Landesarchiv: E 46, VIII Nr. 6, Beschwerde aus Abberode und Steinbrücken über die Erweiterung Tilkerodes, 1783–1803. Katalognachweis.
  5. Stiftung Haus der Geschichte / LeMO: Kollektivierung der Landwirtschaft. Hintergrund zur DDR insgesamt.
  6. Bundeszentrale für politische Bildung, 29. Mai 2019: LPG-Gesetz, Genossenschaftstypen und Umbruch nach 1990.
  7. Regionalverband Harz: Naturpark-Wettbewerb 2019, Beitrag 8, Feuchtbiotop Orchideenwiese bei Abberode.
  8. Bundesanzeiger, 24. September 2012, B1, Anhang Sachsen-Anhalt: Futtermittelunternehmen, Stand 9. Februar 2012; Einträge Mansfeld, PDF-S. 57–58. Historischer Registerstand.
  9. Stadt Mansfeld: Begründung zum Flächennutzungsplan, Genehmigungsfassung April 2024, S. 59, Tabelle 3.10. Download über die städtische Übersicht Bauleitpläne.
  10. Landtreff: Landwirtschaft als Nebenerwerb und Hobby (2008), Diskussion mit Bezug zum Harzrand bei Osterode. Nur als Einblick in Praxisfragen genutzt; kein Beleg zur Betriebsgeschichte unserer Dörfer.
  11. Elke Kimmel: Von LPG zu e.G., GbR und GmbH, Deutschland Archiv / bpb. Einordnung des Umbruchs nach 1990.

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