Drei Männer mit Zahnschmerzen, ein frommes Versprechen und schließlich eine Kapelle, von der heute kaum jemand weiß: Das klingt wie der Beginn eines Schelmenromans. Die Geschichte wurde 1941 in einer Zeitung erzählt. Ihre Spur reicht aber viel weiter zurück: Eine wissenschaftliche Untersuchung führt sie auf die Mansfeldische Chronica des Cyriacus Spangenberg zurück.
1501: Ein Versprechen in großer Not
Der Zeitungsbericht nennt das Jahr 1501 und die Namen Große, Koch und Bilzenrod. Drei Männer aus Steinbrücken hätten solche Zahnschmerzen gehabt, dass sie dem heiligen Wolfgang eine Kapelle versprachen. Noch bevor das Bauwerk fertig war, seien die Schmerzen verschwunden.
Für Menschen einer Zeit ohne moderne Zahnmedizin muss ein quälender Zahnschmerz eine besonders bedrückende Erfahrung gewesen sein. Der heilige Wolfgang galt vielerorts als Schutzpatron, an den sich Gläubige mit Bitten wandten. Die Steinbrückener Überlieferung erzählt davon, wie aus persönlicher Erleichterung ein öffentliches Dankeszeichen geworden sein soll.
Eine Kapelle zieht Besucher an
Nach der Erzählung kamen bald weitere Menschen mit Zahnschmerzen, um an der Wolfgangskapelle Hilfe zu erbitten. Steinbrücken wäre damit für eine gewisse Zeit mehr gewesen als ein Dorf am Weg: ein kleiner Wallfahrtsort mit Besuchern, Gebeten und Opfergaben. Der Pfarrer von Abberode soll das Gebäude mitbetreut haben.
Kühne nennt 1539 als Jahr des Abbruchs auf Befehl Graf Albrechts. Damit erhält die Erzählung einen greifbaren zeitlichen Rahmen. Wo genau die Kapelle stand, bleibt eine offene Frage.

Was wurde aus der Glocke?
Nach der von Kühne ausgewerteten Chronik wurde das Baumaterial weiterverwendet; die etwa einen halben Zentner schwere Glocke kam nach Abberode. Was später aus ihr wurde, ist damit noch nicht geklärt.
Nun führt die Spur zu den Abberöder Glocken: Taucht die Glocke in einem Inventar von St. Stephani auf? Gibt es Angaben zu ihrem Gewicht, ihrer Inschrift oder Herkunft? Welche Glocken wurden später eingeschmolzen oder neu gegossen? Die Geschichte ließe sich besonders schön neben unseren Fotografien der Glockenweihe 1931 erzählen – wenn wir die Verbindung durch ein Dokument sichern.
Hier könnte das nächste Kapitel beginnen
Die Wolfgangskapelle erzählt von Krankheit, Hoffnung, kirchlichem Wandel und der Nähe der drei Dörfer. Zugleich zeigt sie, warum ein Heimatarchiv mehr braucht als hübsche Legenden. Uns interessieren der ursprüngliche Standort und der weitere Weg der nach Abberode gelangten Glocke. Vielleicht liegt das fehlende Puzzleteil in einem Kirchenbuch oder einem privaten Papiernachlass.