Manchmal erzählt ein alter Sack mehr als ein neues Schild. Der ovale Aufdruck nennt Richard Ermisch, die Mühle und Ritzgerode. Mit diesem kleinen Fund beginnt unser Bilderbesuch bei der Familie Ermisch.

Am Wasser der Eine liegt die Untermühle, ein wichtiges historisches Gebäude des Einetals. Auf älteren Fotografien ist ihre Lage zwischen Wiesen und bewaldeten Hängen gut zu erkennen. Solche Mühlen waren weit mehr als technische Anlagen: Hier trafen Bauern, Handwerker und Nachbarn aufeinander.
In Schottes Rammelburger Chronik erscheint bereits für 1648 Gabriel Gießler mit dem ausdrücklichen Zusatz „der Untermüller“. Der Chronist erwähnt zudem die beiden Mühlen an der Eine und die komplizierten Verwaltungsgrenzen. Eine Archivakte aus 1637 dokumentiert einen Streit um eine Mühle bei Abberode; ob sich dieser genau auf die Untermühle bezog, muss anhand der Akte geklärt werden.
Als die Mühle ihre Türen öffnete.
2014 lud die Familie Ermisch ein, die Untermühle näher kennenzulernen. Draußen waren alte Geräte und Maschinen ausgestellt, drinnen konnten die Besucher in die Mühlentechnik hineinschauen. Die Bilder aus privatem Besitz führen von der sonnigen Wiese bis unter die Dachbalken – und zeigen, wie viel es hier zu entdecken gab.
Draußen: ein Fest für neugierige Augen.
Der Rundgang beginnt mit Stroh, Holz und Eisen. Zwischen den Ausstellungsstücken wird aus einem Besuch im Denkmal ein lebendiger Tag auf dem Mühlengelände.



Vom Mühlstein zum Wasser.
An der Hauswand und direkt neben dem Gebäude wird der alte Arbeitsort greifbar. Hier gehören schwerer Stein, Fachwerk und Wasser eng zusammen.



Drinnen: ein ganzes Haus voller Technik.
Mit der Einladung der Familie öffnete sich auch die Tür ins Innere. Dort warten Räder, Riemen, Handräder und hölzerne Aufbauten auf den zweiten Blick.



Zehn ausgewählte Aufnahmen aus privatem Besitz. Die Einladung und Besichtigung bei Familie Ermisch sind nach der Erinnerung des Fotografen erzählt. Die Dateinamen tragen den 9. Juni 2014; an jedem Bild lässt sich das Original öffnen.
Mehr als ein Mühlrad
Über Mühlgraben, Wasserrad, Müllerfamilien und den späteren Betrieb lässt sich noch viel erzählen. Die historischen Postkarten und privaten Fotografien geben dafür bereits ein Bildgerüst. Auch Dora erinnert sich an das Wasser und an Wege bei der Ermisch-Mühle.
Die neuen Aufnahmen machen die Mühle von außen und innen sichtbar. Weitere Erinnerungen können die Geschichte ergänzen: Wer kennt die Müllerfamilien, die einzelnen Maschinen und das Leben auf dem Mühlengelände?
Historische Ansichten und Dokumente



- Hermann Schotte: Rammelburger Chronik, 1906, S. 189–190; Landsteuerliste von 1648.
- Landesarchiv Sachsen-Anhalt: Streit zwischen Amt Harzgerode und Amt Rammelburg wegen einer Mühle bei Abberode, 1637 (Findbuch).
- Historische Fotografie und Postkarte aus Privatsammlung.
- Zehn Fotografien aus privatem Besitz vom Besuch 2014; Einladung und Besichtigung bei Familie Ermisch nach der Erinnerung des Fotografen. Originaldateinamen: 9. Juni 2014. Schriftzug auf dem Jutesack nach dem Foto.