Drei Männer mit Zahnschmerzen, ein frommes Versprechen und schließlich eine Kapelle, von der heute kaum jemand weiß: Das klingt wie der Beginn eines Schelmenromans. Tatsächlich wurde diese Überlieferung 1941 in einer Zeitung über Steinbrücken erzählt. Ob es sich genau so zugetragen hat, ist eine andere Frage – und gerade die macht die Geschichte spannend.
1501: Ein Versprechen in großer Not
Der Zeitungsbericht nennt das Jahr 1501 und die Namen Große, Koch und Bilzenrod. Drei Männer aus Steinbrücken hätten solche Zahnschmerzen gehabt, dass sie dem heiligen Wolfgang eine Kapelle versprachen. Noch bevor das Bauwerk fertig war, seien die Schmerzen verschwunden.
Für Menschen einer Zeit ohne moderne Zahnmedizin muss ein quälender Zahnschmerz eine besonders bedrückende Erfahrung gewesen sein. Der heilige Wolfgang galt vielerorts als Schutzpatron, an den sich Gläubige mit Bitten wandten. Die Steinbrückener Überlieferung erzählt davon, wie aus persönlicher Erleichterung ein öffentliches Dankeszeichen geworden sein soll.
Eine Kapelle zieht Besucher an
Nach der Erzählung kamen bald weitere Menschen mit Zahnschmerzen, um an der Wolfgangskapelle Hilfe zu erbitten. Steinbrücken wäre damit für eine gewisse Zeit mehr gewesen als ein Dorf am Weg: ein kleiner Wallfahrtsort mit Besuchern, Gebeten und Opfergaben. Der Pfarrer von Abberode soll das Gebäude mitbetreut haben.
Die Zeitung spricht von etwa vier Jahrzehnten Kapellengeschichte. Ob diese Dauer stimmt und wo das Gebäude genau stand, wissen wir nicht. Vielleicht hat ein alter Flurname den Standort bewahrt; vielleicht gibt es in einer Kirchenrechnung noch einen Hinweis auf den kleinen Bau.

Was wurde aus der Glocke?
Zur Reformationszeit, so heißt es weiter, sei die Kapelle auf Anordnung eines Grafen Albrecht abgebrochen worden. Besonders reizvoll ist der Schluss der Erzählung: Eine kleine Glocke habe man nach Abberode in die Kirche gebracht. Dort könnte sie, falls die Nachricht zutrifft, noch über Jahrzehnte an die Geschichte von Steinbrücken erinnert haben.
Aus einer Sage wird historische Forschung, sobald man die richtige Frage stellt: Taucht die Glocke in einem Inventar von St. Stephani auf? Gibt es Angaben zu ihrem Gewicht, ihrer Inschrift oder Herkunft? Welche Glocken wurden später eingeschmolzen oder neu gegossen? Die Geschichte ließe sich besonders schön neben unseren Fotografien der Glockenweihe 1931 erzählen – wenn wir die Verbindung durch ein Dokument sichern.
Hier könnte das nächste Kapitel beginnen
Die Wolfgangskapelle erzählt von Krankheit, Hoffnung, kirchlichem Wandel und der Nähe der drei Dörfer. Zugleich zeigt sie, warum ein Heimatarchiv mehr braucht als hübsche Legenden. Uns interessieren der ursprüngliche Standort, der Wortlaut älterer Quellen und vor allem die Spur der angeblich nach Abberode gelangten Glocke. Vielleicht liegt das fehlende Puzzleteil in einem Kirchenbuch oder einem privaten Papiernachlass.