Dorfkosmos · Häuser, Höfe & Wege

Unter unseren Füßen

Die Kanalisation von Abberode, Tilkerode und Steinbrücken: verborgene Wege, gemeinsame Baustellen und die kleinsten Arbeiter des Dorfes.

Die spannendste Dorfgeschichte liegt manchmal unter dem Asphalt. Aus Küche, Bad und Waschmaschine verschwindet Wasser scheinbar mit einem Handgriff. Wohin es danach reist, verbindet unsere drei Dörfer mit der Eine – und mit einer Baustellengeschichte, die noch gar nicht lange zurückliegt.

Die kleinste Anlage hat sechs Orte zu Gast

Das Schmutzwasser aus Abberode, Tilkerode und Steinbrücken wird zur Kläranlage Ritzgerode geleitet. Auch Molmerswende, Hermerode und Ritzgerode gehören zu ihrem Einzugsgebiet. Der Abwasserzweckverband Wipper-Schlenze bezeichnet sie als seine kleinste Kläranlage. Ihr Standort liegt unmittelbar an der Eine.

  1. 1 · Im HausAus Bad, Küche und Waschmaschine gelangt das Schmutzwasser in die Kanalisation.
  2. 2 · In RitzgerodeIn der gemeinsamen Kläranlage wird es biologisch behandelt.
  3. 3 · Zur EineNach der Reinigung führt sein Weg zurück in den Wasserkreislauf.
Der Weg des Schmutzwassers, vereinfacht dargestellt. Die Übersicht zeigt den Zusammenhang zwischen Häusern, Kläranlage und Gewässer; die einzelnen Leitungen sind nicht abgebildet. Darstellung: Abberode.eu.

Als das Dorf unter die Erde kam

Für den Kanalbau gibt es einen handfesten Nachweis: Die Umweltschutz- und Tiefbaugesellschaft Sangerhausen führt die Arbeiten in ihrer Referenzliste von 2018 auf. Für Abberode/Tilkerode nennt sie eine Arbeitsgemeinschaft mit Kutter HTS aus Helbra.

BauvorhabenAusführungszeitGenannte Auftragshöhe
Ortskanal Abberode/TilkerodeMai 2012 bis August 2013ca. 550.000 Euro
Ortskanal SteinbrückenNovember 2013 bis Juni 2014ca. 410.000 Euro

Die Beträge gehören zu den dort aufgeführten Aufträgen. Sie sind keine Gesamtrechnung für das gesamte Abwassersystem. Die Zeitangaben zeigen aber: An unserem Netz wurde in einzelnen Bauvorhaben gearbeitet, über mehr als einen Sommer hinweg. Wann jedes einzelne Haus angeschlossen wurde, erzählen diese Einträge noch nicht.

Eine Gemeinschaft unter den Straßen

Schon 2004 trat Abberode dem damaligen Verband Mansfeld-Schlenze bei. Seit der Fusion 2013 trägt der größere Verband den heutigen Namen Wipper-Schlenze. Die Betriebsführung übernahm er 2021 in Eigenregie.

Zum Bild des Dorfes gehören also nicht nur Häuser und Höfe. Auch unterirdische Leitungen schaffen Nachbarschaft: Mehrere kleine Orte teilen eine Anlage, die man im Alltag kaum sieht.

Die Eine zwischen Abberode und Stangerode, von der Ulbrichtstraßenbrücke bachabwärts gesehen
Frühling an der Eine: Von der Ulbrichtstraßenbrücke geht der Blick bachabwärts zwischen die Bäume. Die Geschichte der Abwasserreinigung gehört auch zur Geschichte dieses Flusses. Aufnahme vom 9. April 2011.Foto: Pomfuttge / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0 · verkleinerte Wiedergabe.

Die kleinsten Arbeiter sieht man nicht

In Ritzgerode arbeitet die Anlage nach dem BIOCOS-Verfahren. Hinter dem technischen Namen steckt die Verbindung eines Belebungsbeckens mit einem Sedimentations- und Umwälzungsbecken. Die Anlage nutzt damit biologische Reinigung und das Absetzen des Schlamms in einer abgestimmten Beckenanordnung.

Die eigentliche Arbeit leisten dabei auch Mikroorganismen. Das erklärt eine Besonderheit des Alltags: Was durch den Abfluss passt, ist noch lange kein gutes Futter für diese Helfer. Der Verband warnt, dass Chemikalien die biologischen Abläufe stark hemmen oder sogar zum Erliegen bringen können.

Und der unscheinbare Kontrollschacht am Haus? Er ist gewissermaßen das Fenster ins verborgene Netz. Durch ihn lassen sich Leitungen kontrollieren, reinigen und mit einer Kamera untersuchen. Ein kleiner Deckel mit einer ziemlich wichtigen Aufgabe.

Die Kläranlage Ritzgerode auf den Fotos des Verbandes ansehen ↗

Ein Rätsel im Aktenstapel

Eine Gewässerstudie von 2015 stieß bei Ritzgerode auf eine Datenlücke: Im Wasserbuch fehlten Angaben zu den Einleitmengen. Die Autoren vermuteten deshalb, die Anlage werde nicht mehr betrieben. Das war eine Schlussfolgerung aus fehlenden Daten, kein dokumentierter Stilllegungsbeschluss. Die heutige Betreiberseite beschreibt Ritzgerode ausdrücklich als Anlage für unsere Dörfer. So kann dieselbe Kläranlage in verschiedenen Unterlagen ein sehr unterschiedliches Bild abgeben.

Nicht jeder Gully erzählt dieselbe Geschichte

Schmutzwasser und Regenwasser sind zwei verschiedene Aufgaben. Das zeigt auch ein Mansfelder Ratsbeschluss von 2024: Er befasste sich eigens mit der Übertragung der Niederschlagswasserbeseitigung, unter anderem für Abberode. Aus einer Straßenrinne allein lässt sich deshalb noch nicht ablesen, welchen Weg ihr Wasser nimmt.

Gesucht: der Sommer mit dem offenen Graben

Eine Straße voller Rohre, ein Bagger vor dem Hoftor, die erste fertige Zufahrt: Solche Bilder wären die schönste Ergänzung dieser Geschichte. Erinnerungen an Bauabschnitte und frühere Entwässerung können helfen, die letzten weißen Flecken zu füllen.

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