Wenn das Dorf
zusammenrückt.
Die Feuerwehr von Abberode: vom alten Spritzenhaus zum heutigen Ehrenamt – und mittendrin im Dorfleben.
Feuerwehr ist Nachbarschaft, auf die man sich verlassen möchte. Ihre Geschichte führt zu einem Spritzenhaus in einer alten Steuerliste, zu Bränden, die das Dorf veränderten, und zu den Menschen, die heute gemeinsam anpacken. Und manchmal führt sie auch mitten hinein in einen Laternenumzug.
Ein Feuer, das fast das halbe Dorf nahm
Der 23. April 1645 war ein schwarzer Tag für Abberode. Nach der Rammelburger Chronik verbrannte fast das halbe Dorf; auch Pfarre und Schule waren betroffen. Das Feuer war bei Jacob Köhler ausgebrochen. Gegen ihn richteten sich zunächst die Vorwürfe. Schotte überliefert jedoch auch: Eine Schuld ließ sich ihm nicht nachweisen, und er selbst wäre mit seiner Familie beinahe verbrannt.
Dann nimmt die Geschichte eine bemerkenswerte Wendung. Köhler gab freiwillig 50 Gulden zum Wiederaufbau von Pfarre und Schule. Die vier eingepfarrten Gemeinden schworen ihm dafür Urfehde. Die alte Chronik erzählt hier von Verlust, Verdacht und dem Versuch, nach einer Katastrophe wieder miteinander auszukommen.
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1661 traf Abberode erneut ein Brand. Seine Folgen reichten über die damalige Landesgrenze: Geschädigte Abberöder bauten sich im benachbarten anhaltischen Tilkerode eine neue Existenz auf. Aus einer Brandgeschichte wurde so auch ein Stück gemeinsamer Dorfgeschichte.
1Nummer 48: ein Haus für den Ernstfall
Zwischen Schmied, Gemeindehaus und Kirche steht in der von Schotte wiedergegebenen Gebäudesteuerrolle von 1895 ein unscheinbarer Eintrag: „48. Spritzenhaus“. Damit ist ein eigener Abberöder Bau für das Löschwesen greifbar. Die kurze Zeile sagt noch nicht, wann die Freiwillige Feuerwehr gegründet wurde. Sie zeigt aber, dass das Dorf für die Brandbekämpfung einen festen Platz vorhielt.
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Als die Pumpe noch Muskelkraft brauchte
Eine historische Handdruckspritze macht den technischen Abstand zu heutigen Löschfahrzeugen anschaulich: große Räder, lange Pumphebel und viele Hände, die gemeinsam arbeiten mussten. Das abgebildete Gerät stammt aus der Zeit um 1900 und steht im Freilichtmuseum Schwerin-Mueß. Welche Spritze einst im Abberöder Haus stand, ist eine der noch offenen Fragen.

Ein Schornstein aus Holz?
Was heute erstaunt, war einst ein Fall für die Feuerpolizei. Im Bestand des Amts Rammelburg liegen Akten zur Beseitigung hölzerner Schornsteine von 1866–1873. Eine weitere Akte trägt den Titel „Revision der Spritze und Feuerlöschgeräte“ und reicht von 1874 bis 1895. Schon diese Titel erzählen, worauf Brandvorsorge damals achten musste.
9Heute gemeinsam unterwegs
Die Stadt führt die Wehr als Ortsfeuerwehr Abberode. Michael Franke ist Ortswehrleiter, Jürgen Franke sein Stellvertreter. Beide wurden mit Wirkung vom 22. September 2025 für sechs Jahre in diese Ehrenbeamtenfunktionen berufen.
2Die Zusammenarbeit mit Molmerswende gehört zum heutigen Bild. Der Flächennutzungsplan der Stadt von 2024 nennt die OFW Abberode/Molmerswende. Auch der Bericht über den Martinsumzug verwendet diesen gemeinsamen Namen.
3Warum Allrad hier mehr als ein Extra ist
Im September 2024 berichtete die Mitteldeutsche Zeitung über ein für 2026 geplantes neues Löschfahrzeug. Ortswehrleiter Michael Franke hob dessen Allradantrieb hervor: Gerade im Winter sei die bisher fehlende Ausstattung im Einsatzgebiet ein Problem. Der damalige Bericht nannte 25 aktive Mitglieder, darunter sieben aus Molmerswende. Diese Zahlen gehören zum Stand von 2024.
4Mehr Platz für Menschen und Technik
Die Stadt Mansfeld stellte 2026 das Gerätehausprojekt vor. Vorgesehen sind eine Fahrzeughalle sowie Funktions- und Sozialräume. Die veröffentlichte Finanzierung nennt 858.176,77 Euro Gesamtkosten und 50.000 Euro Landesmittel. Der Bescheid ist auf den 8. Mai 2026 datiert.
Ein Gerätehaus muss eben mehr können, als ein rotes Auto trocken unterzustellen. Es soll den Ehrenamtlichen Raum für ihren Dienst geben und moderne Technik aufnehmen.
5Die Projektmeldung der Stadt lesen ↗Mit Blaulicht zum Fest, mit Laternen durchs Dorf
Wie eng Feuerwehr und Dorfleben zusammengehören, zeigt ein Abend mit den Kindern des Waldkindergartens „Sonnenblume“. Beim Martinsumzug begleiteten und sicherten die Feuerwehren Abberode/Molmerswende und Braunschwende den Zug. Davon erzählt der Rückblick im Amtsblatt vom Januar 2026.
6Und wenn historische Motoren knattern, wird Feuerwehrgeschichte zum Dorffest. Das Amtsblatt kündigte für den 19. August 2023 das Oldtimer- und Blaulichttreffen an. Im Bericht des Feuerwehrmuseums Holdenstedt bekommt der Tag Farbe: Die Gäste kamen mit einem S4000 LF16 und einer S4000 DL25 – Löschgruppenfahrzeug und Drehleiter. Auf ihrer Webseite gibt es Erinnerungsbilder von der Ausfahrt.
7Hier begegnen sich Technikfreude, Ehrenamt und die Lust, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Zum Fest der Vereine gehören auch Sportler und Schützen. Feuerwehr ist ein Teil dieses Miteinanders.
Spuren, an denen wir täglich vorbeigehen
Auch ohne Einsatzfahrzeug lässt sich im Dorf nach Feuerwehrgeschichte suchen. Der Harzverband erwähnt den Feuerlöschteich von Abberode und alte Bäume am Tilkeröder Feuerwehrdepot: Esche, Winterlinde und Rosskastanie bilden dort eine geschützte Dreiergruppe. Löschwesen und vertraute Dorfplätze liegen manchmal näher beieinander, als man beim Vorbeigehen denkt.
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Die Geschichte wartet auch im Archiv
Im Landesarchiv Sachsen-Anhalt liegt im Bestand E 46 Amt Rammelburg die Gruppe 13.01.03 Feuerpolizei, 1768–1895. Ihre Unterlagen sind ein Ansatz für Fragen nach Brandvorsorge und Löschwesen im alten Amtsgebiet. Ein Findbucheintrag ist dabei der Wegweiser zur Akte; die Originalakten wurden für diesen Beitrag noch nicht eingesehen.
Die in der Chronik abgedruckte Gebäudesteuerrolle von 1895 ist bereits ein konkreter örtlicher Nachweis. Gründungsprotokoll, Mannschaftslisten und der Kauf der ersten Abberöder Spritze bleiben lohnende Suchziele.
Wer kennt unsere Feuerwehrgeschichte?
Ein Gruppenfoto vor dem Depot, ein alter Helm, ein Übungsbuch oder eine Erinnerung an den Feuerwehrball: Solche Fundstücke geben den Jahreszahlen Gesichter. Besonders gesucht sind Hinweise auf die Gründung, frühere Wehrleiter und die ersten Fahrzeuge.
Ein Foto oder eine Erinnerung beisteuern ↗Quellen zum Weiterlesen
Recherche: 26. Oktober 2026. Die Bildnachweise stehen direkt an den Abbildungen.
- Hermann Schotte: Rammelburger Chronik, Originalausgabe 1906. S. 188 zum Brand von 1661, S. 190 zum Brand vom 23. April 1645 und Beginn der Gebäudesteuerliste von 1895, S. 191 mit Nr. 48 Spritzenhaus. PDF-Seiten 206, 208–209.
- Amtsblatt der Stadt Mansfeld 10/2025, S. 3 (Ratsbeschlüsse 126-06/25 SR und 127-06/25 SR) und S. 6 (Ernennungen); ergänzend die Ortsfeuerwehrseite der Stadt.
- Amtsblatt 1/2026: Martinsfest, gemeinsame Bezeichnung Abberode/Molmerswende. Ergänzend Flächennutzungsplan Mansfeld, Genehmigungsfassung April 2024, Tabelle 3.24, Standorte der Freiwilligen Feuerwehren.
- Daniela Kainz, Mitteldeutsche Zeitung, 25. September 2024: geplantes Fahrzeug, Allradbedarf, damalige Mannschaftsstärke. Zeitgebundener Bericht, kein Nachweis einer inzwischen erfolgten Fahrzeugübergabe.
- Stadt Mansfeld, 12. Mai 2026: Gerätehausprojekt und Finanzierung. Die Meldung verwendet sowohl Umbau/Erweiterung als auch Ersatzneubau. Sie wird als Projektmeldung eingeordnet, nicht als Fertigstellungsnachricht.
- Amtsblatt Mansfeld 1/2026: Wo Lichter strahlen und Helfer helfen – Martinsfest in Abberode; Rückblick des Waldkindergartens.
- Feuerwehrmuseum Holdenstedt: Aktivitäten, Eintrag zum 10. Blaulicht- und Oldtimertreffen Abberode am 19. August 2023; ergänzend Amtsblatt Mansfeld 8/2023 zur Festankündigung.
- Dr. Klaus George, Harzverband: Abberode, Feuerlöschteich und Baumgruppe am Feuerwehrdepot Tilkerode. Der URL-Pfad lautet abbenrode, Überschrift und Inhalt betreffen Abberode im Unterharz.
- Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Bestand E 46, Feuerpolizei: Akten Nr. 20 zur Beseitigung hölzerner Schornsteine (1866–1873) und Nr. 22 zur Revision der Spritze und Feuerlöschgeräte (1874–1895). Findbuchnachweise zum Amtsbestand, keine bestätigten Einzelfälle in Abberode.
Flächennutzungsplan Mansfeld, April 2024 ↗ · Ortsfeuerwehr auf der Stadtseite ↗ · Festprogramm 2023 ↗