Tilkerode · Herbst 193321 Burschen.
Eine Schubkarre.
Und ein Loch.
Die jungen Männer wollten ein Fest, das noch kein Harzdorf erlebt hatte. Man muss sagen: Die Idee hatte etwas.
Vor Hülperts Gasthof wartet das halbe Dorf auf das große Geheimnis. Dann kommen Clowns heraus. Eine Trompete ertönt. Ein Kutscher in Gehrock und Zylinder fährt vor, ein „Sportarzt“ trägt weißen Kittel und Hornbrille. Und auf einem Wagen liegt das wichtigste Requisit: ein ausgestopfter alter Mann.
Auf dem Stoppelfeld wartet ein abgesteckter Kreis mit einem Loch in der Mitte. Die Aufgabe: die Puppe mit der Schubkarre hineinbefördern. Klingt leicht? Die 21 Teilnehmer bekommen die Augen verbunden. Jeder hat fünf Minuten. Das Publikum darf sehen, die Fahrer müssen fühlen.
Nur fünf schaffen es. Die Zuschauer feuern an, als ginge es um ein großes Rennen. Der Reporter der Hallischen Nachrichten ist begeistert: Tilkerode hat sich ein neues Herbstfest ausgedacht. Der Bericht erscheint am 11. November 1933.
Gerade solche Einfälle machen Dorfgeschichte lebendig. Nicht jeder Festtag braucht einen hohen Ehrengast. Manchmal genügt eine verrückte Idee – und genügend Nachbarn, die mitlachen.